11.11.1991 Montag
Am Montag, 11.11.1991 10.40 Uhr ist es auch für uns soweit das Meer hat uns wieder (Rosenmontag) Wir haben uns beim Piermaster über die Tidenzeiten erkundigt und erwarten um 17.07 Uhr high-Tide, das heisst beste Zeit um durch die Strasse von Gibraltar zu segeln ist 5 Stunden vor Hochwasser damit wir die auslaufende Strömung von 2.6 Knoten zu unserem Vorteil haben. Leider erwies sich das bis Tariffa nicht als richtig und wir sind zwischen den beiden Fahrtrichtungen am Kreuzen. Inzwischen hat der Wind immer mehr zugelegt. Wir verzeichneten Sturmstärken 8.5 Beaufort und liefen nur mit Gross und einem Reff 6-8 Knoten Speed. Kurze Wellen machten uns das Leben schwer, aber es ist ja immer noch Tag. Zur Dämmerung hofften wir das sich der Wind etwas legt, aber njet. Für die nächsten 2 Tage hatten wir Sturmstärken zwischen 7-8 Beaufort. Mit 3 Reffs im Gross und ohne Genua sind wir abgezischt. In der zweiten Nacht haben wir uns ernstlich gefragt, ob das der Traum vom Segeln war??? Im Ölzeug dick vermummt musste der Autohelm im Cockpit überwacht werden. Alle 3 Stunden Wachwechsel, aber auch an Schlaf war nicht richtig zu denken. Angst hat sich auch etwas breitgemacht in unseren Gedanken und ob es wirklich ratsam ist zu zweit so lange Strecken zu segeln. Bei Schönwetter keine Frage aber bei länger andauerndem Sturm??? In der zweiten Nacht konnten wir nur mit Mühe, ausflippendem Adrenalinspiegel, gischtendem Wasser, Kawenzmänner im Heck, einem Fischer mit Schleppnetz achterum ausweichen. Irgendwann muss er gemerkt haben das wir den Kurs nicht mehr ändern können und ist mit Vollgas voraus weggefahren. Vielen Dank nochmals. Es sah aus wie in einem Horror-Movie, stockdunkle Nacht, brechende Wellen, ein hellbeleuchtetes Fischerboot mit winzigen Personen und wir im Gischt Nebel hintenrum. Gruselig. Wir haben beide viel nachgedacht in diesen zwei Tagen und Nächten und haben trotz vielen anderen Ideen und Möglichkeiten im Sinn unser Abenteuer fortzusetzen. Noch 233 Meilen bis Madeira. Jetzt geht es uns wieder unheimlich gut und wir geniessen das Schönwetter Segeln.
15.11.1991 Freitag
Mit besten Wetterverhältnissen sind wir in die Marina Funchal auf Madeira eingelaufen. Die Marina ist nicht sehr gross aber umso besser besucht. Wir mussten uns im Hafenbecken mit einem Aussenplatz im 8-er Päckli begnügen. Wie wir später noch feststellen sollten, der beste Platz und das bewegte Hafenleben nahm seinen Lauf. Um besser ans Ufer zu gelangen, schlugen wir unser Bananaboot auf und paddelten an einen gegenüber liegendem Ponton. Einklarieren ging problemlos und wir machten uns auf die Stadt zu erkunden. Was wir vorfanden hat uns wirklich begeistert, kleine lauschige Ecken english style. Madeira Wein, toll. Der Schiffsvorrat wurde dementsprechend ergänzt. Gemüse- Fleisch- und Fischmarkt hatte alles was das Herz begehrt. Für einen Tag haben wir uns ein Auto gemietet, um die Insel zu erkunden. Die Nordküste sehr schön und rau aber äusserst nass. Die Hochebenen wie Mondlandschaften aber traumhaft. Nach diesen vielen Augenweiden und Eindrücken waren wir am Abend rechtsschaffen müde und froh in der Koje zu liegen. Engländer und Franzosen als Nachbar zu haben (bei diesen engen Platzverhältnissen) kann sehr schön, aber auch sehr ärgerlich sein. SV Plume d’Ange, Martine und Richard aus Lyon haben ihr 10m Boot selbst gebaut und liebevoll eingerichtet. Sie werden direkt nach Senegal, Casamance segeln, um Weihnachten dort zu sein. Im Januar geht es für sie dann Via Kap Verden nach Martinique und wünschen sich dort ein Baby zu bekommen und zu dritt weiterreisen. Das die netten Nachbarn. Zwei Schiffe weiter etwas verlottert eine 12 m Stahlsloop (F) mit 2-3 Typen und einer Frau an Bord. Spaghettiessen mit ca. 15 Leuten um 03.00 Uhr, man kann sich den Lärm vorstellen. Marihuana im Spiel, Polizeiabtransport alles dabei, das die andere Seite. Trotz allem geniessen wir die Tage und sind viel unterwegs. Gratisausflug mit Taxi, bezahlt von Leisure International (RCI) (Typ Hapimag) um unser zukünftiges 2 Wochen anteiliges Feriendomizil zu besichtigen (Zwar kein Interesse aber der Trip war free of charge) Wunderschöne Anlage aber wir haben keinen Bedarf da wir auf eigenem Kiel weiterreisen. Am Schluss der Besichtigung ein Dankeschön für unser Interesse, 1 Flasche Madeira Wein und Freifahrt nach Funchal zurück. Auch so kann man nette Ausflüge machen, die unser Budget nicht belasten. Haben ein uriges englischen Restaurant gefunden mit Roastbeef und Yorkshire Pudding, herrlich und zum Nachtisch Maracuja Pudding mit flüssigem Rahm. Ich mag Süsses eigentlich nicht so gerne, aber das war himmlisch. Um den Liegeplatzpreis lässt sich feilschen da die Marina dem Staat gehört und die zuständigen Behörden sich den herrschenden Bedingungen durchaus bewusst sind (Normalpreis ca. 2100.00 Escudos) Wir mussten für 7 Hafentage deren zwei bezahlen und die Schiffslänge ist auch geschrumpft. Marinapersonal war sehr freundlich und wurde noch netter, nachdem wir uns mit Ihnen über diese schlechten Bedingungen unterhalten haben. Aber eben es soll ja eine zweite Marina geplant sein die aber frühestens in zwei/drei Jahren zu benutzen sein wird. Adios Funchal, irgendwann kommen wir wieder vielleicht mit dem Motorhome.
21.11.1991 Donnerstag
Leinen los was gar nicht so einfach war da wir mittlerweile in einem 9-er Päckli an vierter Innenlage waren. Da wir aber unsere Nachbarn rechts, links wie auch hinten und vorne von unserer Abreise informiert haben, ging es ziemlich gut vonstatten. Knappe 3 Tage liegen vor uns bis Fuerte Ventura Corralejo Hafen auf den Kanaren. Eingedeckt wie immer mit lauter guten Sachen, kamen wir gut voran und konnten auch etwas wärmenden Sonnenschein geniessen. Doch… was war das ? unser GPS ist ausgestiegen! Das darf doch wohl nicht wahr sein. Noch keine 6 Tage in Betrieb und schon ziert sich unser bestes Stück. Wir haben alles versucht, neuer Almanach, kalt Start, wir sind mit unserem Elektronik Latein am Ende. Nun kommt unser alter SatNav wieder zu Ehren und war ein treuer Begleiter bis nach Fuerte Ventura. Unterwegs haben wir noch einen Tanker auf UKW gerufen und um genaue Position gebeten. Wurde uns auf das charmanteste erteilt denn der Tanker GPS funktionierte einwandfrei. Na Ja, ein Furuno Techniker muss her, um uns diese Panne zu erklären oder das Gerät gleich auswechseln.
23.11.1991 Samstag
Wir sind sicher im Hafen von Corralejo auf Fuerte Ventura angekommen (800 Pesetas/Nacht) und schmeissen den Anker um römisch/katholisch am Schwimmsteg (keine Moorings) anzulegen. Am nächsten Tag taucht Christian zu Ankerkontrolle und fand zwei grosse Mooringleinen an Ketten befestigt. So liegen wir nun 200% sicher im Hafen und wollen auch etwas länger bleiben da mein Gewicht sich ziemlich reduziert hat.
Geplant war eine Liegezeit von 1 Woche, (wir sollten ja noch Post bekommen aus der Schweiz) ,doch waren es am Ende deren zwei. Ende der ersten Woche braute sich ganz schön was zusammen und wir konnten das Sturmtief auf unseren Wetterkarten schon 84 Stunden vorher ausmachen und gut erkennen, somit waren wir nicht gewillt 8-12 Beaufort auf die Nase zu bekommen und blieben im sicheren Hafen. Wir hörten auf dem deutschen Amateurfunknetz von aufgegebenen Schiffen, von Crews die mit Helikopter abgeborgen wurden und Schiffen trotz Grössen von 60 Fuss, 3 Tage im Sturm beigedreht haben.Grosse Schäden an Schiffen und Hafenanlagen (Marinas) wurden gemeldet, aus Puerto Rico, Mogan auf Cran Canaria und Zerrstörungen auf El Hierro und Gomera. Corralejo war für diesen Sturm an der absolut geeignetsten Lage und musste keine grösseren Schäden, verzeichnen wie wir auch nicht. Wir hatten grosses Glück dass wir uns auf unsere Nase verlassen haben und nicht wie vorgesehen früher ausgelaufen sind. Rosemarie Böschenstein hat uns einen ganzen Packen Post aus der Schweiz mitgebracht und natürlich Peter’s Affe. Wir geniessen es unsere Gedanken nach Hause zu richten und mit vielen « wäisch no» usw. Unsere Bestellung aus London (zwei Schlepppropeller) ist wunschgemäss in Fuerte angekommen und Toni Gadieli, ein uriger Bündner, hat sich uns liebenswürdigerweise angenommen. Er ist mit uns zum Flugh
afen in Puerto Rosaria gefahren und wir hatten herrliche Hafentage und waren bei Ruth und Toni zu Hause immer herzlich willkommen. Tagesausflug mit unseren zwei neuen Freunden ins Landesinnere von Fuerte. Traumhaft öd und leer und plötzlich eine grüne Oase. Wir haben wiederum viel schöne Eindrücke mitgenommen, die uns unvergesslich bleiben werden. Den Santichlaus haben wir zwar nicht gesehen aber wir waren in Gedanken wieder mal in der Schweiz und haben an diesem speziellen Tag Mailänderli gebacken, mhhh. Christian kann sich kaum von der Gutzibüchse trennen so gut schmecken sie.
10.12.1991 Dienstag
Nachdem wir uns schon zweimal verabschiedet hatten, ging es am 10.12. Dienstag dann wirklich los, Sturm vorbei, Sonnenschein 19 Grad Atlantik weiter geht’s. Weit kamen wir allerdings nicht. Für 24 Stunden herrliches Segelwetter, Gran Canaria Las Palmas in Sicht, jetzt geht es SW doch je weiter wir kamen desto ungemütlicher der Seegang und stärker der Wind. Bei 6.5 Beaufort haben wir uns entschlossen nach Rücksprache mit den Wetterkarten die kommende Störung im Hafen zu erwarten.
11.12.1991 Mittwoch
22.00 Uhr machten wir Leinen fest in Puerto Rico auf Gran Canaria. Totaler Touristenort aber gut anzusteuern nachts, tolle Lightshow. Nicht gerade billige Liegegebühren (1900.00 Pesetas ohne Wasser) Strom wird extra berechnet aber wir haben Stecker vom Nachbarn. Direkter Nachbar ist eine Show 38 von Segelschule Lang in Stäfa (Inspiration) mit Crew, die schon bald in die Schweiz abreisen muss. Wir wollen voraussichtlich ein paar Tage bleiben aber wer weiss, das Wetter und die Voraussagen sind nicht sehr gut. Harmattan Sturm über den Kap Verden und eine weitere Kaltfront aus dem Westen. Wir werden auf jeden Fall nicht auslaufen, bis die Bedingungen für uns annehmbar sein werden. SV King Creole, Turks Island BWI, ein Genfer, Francois und Babette wollen nach Dakar (Senegal), sind aber immer noch da. Francois, Wetterfrosch aus Passion mit Morsedecoder und Christian überschlagen sich in der Zwischenzeit mit Vorhersagen und kommen immer wieder zum selben Resultat. Diese Wettervorhersage darf nicht zum Abreisen benutzt werden. Viel zuviel Wind und hohe Wellen fast auf die Nase. Davor graust uns allen. Wir kaufen ein, verfuttern alles wieder machen klar Schiff und leben weiter im Hafen. So vergehen schon die letzten 10 Tage in Puerto Rico, manjana ist auch ein Tag. Benutzt haben wir die Tage aber auch um Mexi zum Tierarzt nach Maspalomas zu bringen (16.12.1991) Sein Hormonhaushalt dürfte nun einem «ES» entsprechen. Alles gut überstanden, Turnübungen an der Rollgenua und am Grossbaum wieder 1A. Einmal ging es allerdings daneben und Mexi hing kläglich an der Mooringleine und schrie sich die Seele aus dem Leib, um 05.00 in der Nacht. Er wurde gerettet und mit Süsswasser geduscht. Alles wie schon X-mal gehabt, ich glaube er lernt das nie. Mit dem Inselbus Ausflug nach Las Palmas, das zwar schön ist aber nicht unbedingt ein Hafen wie wir ihn gerne haben. Zweiter Ausflug nach Mogan. Ganz irre Hafenanlage aber proppenvoll. Ganz süsse Reihenhäuschen (man kann diese auch mieten) voller Blumen und Blätterranken jeder Farbe und Art. Wir waren begeistert. Mittagessen im Tu Casa Restaurant über der kleinen Brücke herrliches Ambiente wie auch Temperaturen um die 24 Grad und hören News von Schiffen die Unterwegs sind bei 7-8 Beaufort und meterhohen Wellen. Für uns im Moment nein danke. So feierten wir auch Weihnachten mit einer guten Flasche Wein und einem wunderbaren Essen gemütlich im Hafen.